Aargauische Evangelische Frauenhilfe

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Aargauische
Evangelische
Frauenhilfe

«Dienen lerne das Weib beizeiten...»?

Offene Herbsttagung der AEF zum Thema «Frauenbilder im Wandel der Zeit»

«Welche Frauenbilder trage ich in mir?» Dass sich jede der 32 Teilnehmerinnen diese Frage stellen und möglichen Antworten auf die Spur kommen möge, das war das erklärte Tagungsziel der Referentin Ruth Schmocker-Buff, die in Burgdorf eine Praxis für Einzelberatung, Familiensystemik und Erwachsenenbildung betreibt. Sie führte durch die Offene Herbsttagung der Aargauischen Evangelischen Frauenhilfe (AEF), die unter dem Thema «Frauenbilder im Wandel der Zeit» wieder im Tagungshaus Rügel ob Seengen, stattfand.

Gleich nach der Begrüssung durch Vorstandsfrau Therese Hochstrasser konnten sich die Frauen aus mehreren Postkarten, die ganz unterschiedliche Frauenbilder zeigten, eine aussuchen. Warum sie gerade dieses und kein anderes Frauenbild gewählt hatten, darüber kamen sie dann jeweils zu zweit miteinander ins Gespräch. Unter Stichworten wie «Tragkraft», «Fortbewegung» und «Badekultur» zeigte die Referentin anschliessend Bilder von Frauen damals und heute, die teilweise für Schmunzeln sorgten, aber auch deutlich machten, welche Veränderungen bereits ein Zeitraum von 10 Jahren mit sich bringt.

In ihrem Referat gab Schmocker-Buff einen geschichtlichen Überblick, bei dem sie die Stellung der Frau in der vorindustriellen Gesellschaft mit der nach 1848 verglich. Für die Zeit kurz nach 1848 hielt sie fest: «Man hat die Frau in der vorindustriellen Gesellschaft stehen lassen. Die Frauenbilder hinken hinterher.» Auch nach der Jahrhundertwende sei die Frau auf das Gattinnen- und Muttersein reduziert worden. «Der Mythos von der Vorherrschaft des Mannes wurde durch den Mythos der Ergänzung ersetzt, aber wirtschaftlich, rechtlich und politisch blieb die Frau abhängig vom Mann».

Anhand einer Zeitleiste, die Errungenschaften wie z.B. Glühbirne, Auto, Telefon oder Waschmaschine aufzeigte, konnte jede Tagungsteilnehmerin für sich Erinnerungen an die eigene Mutter, Grossmutter oder Urgrossmutter aufleben lassen. Alte Haushalts- und andere Gegenstände waren während der Arbeit in Gruppen Aufhänger für Fragen wie « Mit welchen Belastungen lebten meine Mutter und Grossmutter?» und «Was war mir in Bezug auf diese Frauen nicht so bewusst?» Hier kam ein reger Austausch zustande und es war spannend zu erleben, welche Erinnerungen z.B. ein Muff oder eine Teetasse wecken können.

Mit lebendigen Erinnerungen im Hinterkopf ging es am Nachmittag um Werte, die von Mutter und Grossmutter vermittelt wurden und manchmal bewusst, manchmal unbewusst an die nächste Generation weitergegeben werden. «Was kann ich von den vorangehenden Generationen lernen? Was möchte ich anders machen?» In Einzel- und Gruppenarbeit versuchten die Tagungsteilnehmerinnen Antworten auf diese Fragen zu finden.

Als Zeichen für die Gemeinschaft untereinander und mit den früheren Frauengenerationen, teilten die Frauen zum Abschluss Brot und Trauben, bevor sie von Vorstandsfrau Ursula Leibbrandt, die die Tagung federführend vorbereitet hatte (wofür der Rest vom Vorstand sich ganz herzlich bedanken möchte!), verabschiedet wurden.

Elisabeth Martinek


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Aufgeschaltet am 16. Oktober 2010
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