Aargauische Evangelische Frauenhilfe

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Aargauische
Evangelische
Frauenhilfe

Bildungsreise 2010

Fahrt nach Bern, Besuch Einstein-Haus und geführter Rundgang «Berna bewegt».

Am 11. Juni 2010 fuhren 22 erwartungsvolle Teilnehmerinnen und Teilnehmer (wir durften diesmal auch einen Mann in unseren Reihen begrüssen) nach Bern. Bereits die Fahrt durch die schönen Berner Dörfer, abseits der Autobahn, war ein Erlebnis. Unterwegs genossen wir den vom Carunternehmen spendierten Kaffe und die Gipfeli. Nun waren alle gespannt auf die Führung im «Einstein-Haus», wo das Interesse von uns Frauen in erster Linie der ersten Frau von Albert Einstein, Mileva Maric, galt.

Die Wohnung im 2. Stock an der Kramgasse 49 hatte Einstein 1903 bis 1905 gemietet. Sie ist im Stil jener Zeit eingerichtet und dokumentiert damit die für Einstein wichtige Bernerzeit.

Einsteins Beitrag zur Physik des 20. Jahrhunderts ist unbestritten und auch in unzähligen Abhandlungen jeder Schattierung beschrieben worden. Am bekanntesten sind wohl die Spezielle und die Allgemeine Relativitätstheorie. Sein wissenschaftliches Werk umfasst aber auch Arbeiten zur theoretischen Mechanik, zur Quantentheorie und wichtige Beiträge zur Kosmologie.

Nicht ganz in das positive Bild passt seine erste Frau Mileva Einstein-Maric. Vielleicht hat die Welt sie deshalb so nachhaltig vergessen, obwohl sie ihn als Wissenschaftlerin auch fachlich unterstützte.

1903 heiratete Albert Einstein Mileva Maric gegen den Willen ihrer Familien. Die beiden hatten sich während des Studiums an der ETH Zürich kennen gelernt. Die aus Serbien stammende Mileva erhielt von ihrem Vater – als hochbegabte Schülerin – die Gelegenheit, in der Schweiz zu studieren. Sie war eine der ersten Frauen, die sich an der ETH für Physik immatrikulierte. Zwischen ihnen entwickelte sich über das gemeinsame Studium eine intensive wissenschaftliche Zusammenarbeit, die für Einstein auch deshalb besonders wichtig war, da er als Student und bis zu seiner Anstellung am Patentamt in Bern 1902 keinen Zugang zu akademischen Diskussionszusammenhängen hatte. Die Diskussionen mit Mileva vermitteln ihm das notwendige intellektuelle Klima, mathematische Gedankengänge zu entwickeln und zu formulieren. 1902 wurde die gemeinsame Tochter Lieserl geboren, über deren Leben aber vieles im Dunklen geblieben ist. 1904 kam Hans Albert zur Welt. Er wurde Ingenieur und 1937 Professor für Hydraulik in Berkeley, USA. Der zweite Sohn Eduard wurde 1910 geboren. Die Einsteins übersiedelten 1911 nach Prag, er der gefeierte Professor, sie mehr und mehr unglücklich. Er hatte Affären mit anderen Frauen, Mileva wurde schwermütig. Nach jahrelanger Trennung erfolgte schliesslich 1919 die Scheidung. Mileva Mariæ und ihre Söhne lebten in der Folge in bescheidenen Verhältnissen in Zürich. Als Einstein 1922 den Nobelpreis für Physik für 1921 für «Verdienste auf dem Gebiet der theoretischen Physik» zugesprochen bekam, erhielt sie gemäss der Scheidungsvereinbarung das Preisgeld. Die Behandlung ihres an Schizophrenie erkrankten Sohnes Eduard verschlang einen Großteil der Summe. Mileva Mariæ kümmerte sich um ihren Sohn Eduard, bis sie 1948 vereinsamt in einer Privatklinik in Zürich starb.

Nach einem feinen Mittagessen im Kornhauskeller hatten wir Zeit zum «Lädele» in den Lauben von Bern.

Am Nachmittag stand der geführte Rundgang «Berna bewegt – Weiber wollen weiter» auf dem Programm. Der Rundgang führte vom Kornhausplatz (Chindlifrässerbrunnen) bis zur Bundesterrasse und gibt einen Einblick in die bewegte Zeit der ersten Frauenbewegung in der Schweiz um 1900 und in die sozialen und politischen Hintergründe, in Themen welche Frauen damals bewegten und die zum Teil heute noch aktuell sind.

Wir sahen, wo das erste Geburtshaus von Bern stand, erfuhren, wie eine bildungshungrige Patrizierin von der Uni ferngehalten wurde und wie es der ersten Schweizer Apothekerin im Berufsleben erging. Warum eine Riesenschnecke in Begleitung schicker Damen vors Bundeshaus schlich und weshalb erzürnte Frauen nasse Windeln in den Nationalratssaal warfen. Die interessanten Erzählungen der Stadtführerin wurden ergänzt durch eine Schauspielerin welche uns gekonnt das Geschehen rund um die Frauen der damaligen Zeit vor Augen führte.

So fühlten wir uns versetzt in die Zeit von Helene von Mülinen, der ersten Vordenkerin der schweizerischen Frauenbewegung, in Clara Herbrand-Winnicki, der ersten Schweizer Apothekerin. Wir erlebten die emanzipierte Sozialistin Margarete Faas-Hardegger, und die erste hauptamtliche Bernische Berufsberaterin für Mädchen. Viel zu schnell ging die Zeit vorbei, den beiden Frauen hätte man noch Stundenlang zuhören können.

Durch die schöne Bernerlandschaft fuhren wir wieder dem Aargau und somit unseren Ausstiegsorten entgegen.

Herzlichen Dank der Organisatorin, Ursula Leibbrandt, für die interessante Bildungsreise.

Rosmarie Weber



Aufgeschaltet am 11. Juni 2010
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